Papke sehnt sich nach Westerwelle

Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 21. Januar 2012

Der Landtagsfraktionschef fordert eine Führungsrolle für den früheren Parteichef

„Guido Westerwelle ist besser in Form denn je. Wir brauchen ihn, um den Wiederaufstieg der FDP zu schaffen”, urteilt Gerhard Papke, der Vorsitzende der liberalen Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Er belegt dies im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger” mit der „famosen Rede”, die der Außenminister und ehemalige FDP-Bundesvorsitzende am vergangenen Sonntag auf dem Neujahrsempfang der NRW-FDP gehalten habe. „Guido Westerwelle hat den Kampfeswillen und die Entschlossenheit gezeigt, die wir brauchen. Er hat die über 1000 Gäste mit seiner begeisternden Rede mitgenommen, wie das kein anderer in der FDP vermocht hätte”, lobt Gerhard Papke.

Westerwelle habe überzeugt mit seinem “Werben für eine Politik der individuellen Chancen und der Leistungsgerechtigkeit und mit seiner Kampfansage an den gleichmacherischen Zeitgeist. Wir brauchen solche Personen in der Führung der Partei.

Für den Fraktionsvorsitzenden im größten FDP-Landesverband steht fest: „Die FDP wird sich hinter denen versammeln, die für den Aufschwung der Partei sorgen und Menschen begeistern können. Für Guido Westerwelle gilt das erkennbar.” Westerwelle, der im Mai nach heftiger innerparteilicher Debatte von Philipp Rösler im Amt des Parteivorsitzenden abgelöst worden war, braucht nach Einschätzung Papkes „kein Führungsamt, um eine Führungsrolle zu spielen. Es wird höchste Zeit, dass er sich wieder häufiger innenpolitisch zu Wort meldet.”

Den Einwand, unter dem Parteivorsitzenden Westerwelle habe doch der Niedergang der FDP begonnen, lasst Papke nicht gelten. „Viele in der Partei, die hingenommen haben, dass Westerwelle beiseitegeschoben wurde, sehen inzwischen ein, dass es falsch war, ihm die alleinige Schuld für den Vertrauensverlust nach der Bundestagswahl zuzuweisen.” Zwar habe „auch Westerwelle Fehler gemacht”, räumt der Düsseldorfer Politiker ein; er fügt aber sofort hinzu: „Ihm haben wir ganz wesentlich herausragende Wahlerfolge der Vergangenheit zu verdanken.”

Entschieden warnt Papke vor Planspielen einiger in der FDP, Westerwelle das Außenministerium streitig zu machen: „Jeder Versuch, Guido Westerwelle aus der Bundesregierung zu verdrängen, würde in der Partei auf massiven Widerstand stoßen.

„Wir in Düsseldorf haben mit dem Neujahrsempfang gezeigt, wie man ein Aufbruchssignal setzen kann”, sagt Papke. Die Bundespartei hatte ein solches Zeichen für das Dreikönigstreffen in Stuttgart angekündigt. Es blieb aus. Die nordrhein-westfälische FDP werde als größter und kampfstarker Landesverband besonders gefordert sein, den Wiederaufstieg der FDP voranzubringen, stellt der Chef der Liberalen im Düsseldorfer Landtag fest. „Andauernd böigen Ostwind können wir dabei nicht brauchen. Notwendig ist in Berlin eine Führung mit Klarheit, Professionalität und Durchsetzungsstärke”, sagt Papke. Parteichef Rösler erwähnt er in diesem Zusammenhang nicht.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 21. Januar 2012

von Günther M. Wiedemann