Profil von Gerhard Papke in der Süddeutschen Zeitung
Vor Jahren einmal hat er ein Schild in seinem Büro gehabt, da stand in großen Buchstaben die Zahl 18 darauf. Das war um das Jahr 2000 herum, die Liberalen waren gerade unter Jürgen Möllemann wieder in den Landtag eingezogen und dachten, nun sei alles möglich. Sie wollten die Büroräume der Grünen, weil die so schön waren, und sie wollten die Macht.
Manche in Düsseldorf behaupten, Gerhard Papke benehme sich noch heute so wie damals. Er habe sich nicht verändert. Nur das Schild mit dem utopischen Wahlziel ist verschwunden.
Wenn in diesen Tagen SPD, FDP und Grüne zusammensitzen und über die Möglichkeit einer Ampelkoalition sprechen, dann blicken viele Teilnehmer auf Papke, schauen, ob er den Kopf schüttelt. Das macht der Fraktionschef der Liberalen im Düsseldorfer Landtag ziemlich oft in den Gesprächen. Der 48-Jährige hat vor der Wahl eine Ampel ausgeschlossen, und er hat nicht vor, nun seine Meinung zu ändern, öffentlich kommentieren will er die Sondierungen nicht.
Es ist daher ungewöhnlich ruhig um Herrn Papke, der sonst nicht zögert, klare Worte zu sprechen. "Ich halte nichts davon, über alles Strittige immer Soße zu kippen", sagt er gern. Besonders gegenüber den Grünen läuft Papke sonst regelmäßig zu Hochform auf: Als "Umweltpädagogik in Wurmkompost-Kisten", beschrieb er einmal die Ziele der Öko-Partei. In Düsseldorf nennt man ihn den "Grünenfresser". Papke sagt, er würde sich anders beschreiben: "Als prinzipientreuen und liberalen Ordnungspolitiker. " Als einen der letzten Vertreter der reinen liberalen Lehre also. Aus Berlin reden FDP-Politiker in diesen Tagen auf Papke und seine Truppe ein, sie sollten sich doch für die Ampel öffnen, auch um Angela Merkel zu zeigen, dass die Liberalen durchaus Alternativen haben. Papke aber hat wenig Lust, sich den' Grünen zu öffnen und sagt das auch seinem nordrhein-westfälischen Parteichef Andreas Pinkwart. In den Sondierungen sitzen sie an einem Tisch. Während Pinkwart dabei versucht, Gemeinsamkeiten zu finden, findet Papke immer wieder Trennendes. Manchmal fragen ihn die Grünen, ob es denn richtig sei, dass man in diesem oder jenem Punkt nicht zusammenfinde. "Ja", sagt Papke dann nur. Für politische Experimente ist er der falsche Mann - und Nordrhein-Westfalen womöglich der falsche Landesverband der FDP.
Er sei kein liberaler Hinterwäldler, sagt Papke aber auch. Er glaube durchaus, dass seine Partei ein neues Profil brauchen könne: in der Art eines mitfühlenden Liberalismus, wie ihn sein politischer Freund, FDP-Generalsekretär Christian Lindner, zu kreieren versucht. "Die soziale Dimension unserer Politik muss mehr in den Vordergrund rücken", sagt Papke. Der promovierte Politikwissenschaftler kommt aus dem Ruhrgebiet, sein Vater und seine Mutter haben sich bei der Arbeit auf einer Zeche kennengelernt. Der Sohn ist heute der größte Gegner der Steinkohlesubventionen. "Kohleabbau ist Geschichte des Ruhrgebiets, aber eben Geschichte", sagt er. Und wenn es nach ihm geht, dann sind auch alle Ampel-Phantasien in NRW bald Geschichte. Bernd Dörries